30. Oktober 2020
Gründe lernen und wissen gemeinsam zu managen

5 Gründe Lernen und Wissen gemeinsam zu managen

Inhaltsverzeichnis

Lernen und Wissen gehören zusammen. Das macht es aus meiner Sicht unerlässlich beides gemeinsam zu betrachten und im Unternehmen in ein Gesamkonzept zu gießen. Wieso ich das so sehe möchte ich im Artikel begründen.

Grund 1 – Die Verdopplung des Wissens

Wer heute studiert, dessen Wissen aus dem Studium ist im Schnitt heutzutage nach 5 Jahren bereits veraltet. Dabei möchte ich die Betonung auf alt und nicht falsch legen. Der Grund ist, dass sich die Anzahl der wissenschaftlichen Erkenntnisse alle 5-10 Jahre circa verdoppelt. Abhängig von der Fachrichtung sind die Intervalle auch kürzer oder länger. In der IT z.B. veraltet Wissen unglaublich schnell, hingegen ändert sich bei Sprachen erst nach längeren Intervallen etwas. Abgesehen davon ob Wissen nun alt oder neu ist, ist es aus meiner Sicht unstrittig, dass z.B. in der IT die Entwicklungen oft rasant sind und deshalb Technologien von heute, morgen nicht mehr genutzt werden. Das Wissen über die alte Technologie ist deshalb noch lange nicht unrichtig, aber schlicht nicht mehr ’notwendig‘.

Aus meiner Sicht ist das bereits Anlass genug um die Enge Verknüpfung des Lern- und Wissensmanagents zu sehen. Gleichzeitig brauchen die raschen und komplexen Entwicklungen eine Herangehensweise die flexibel auf die An- und Herausforderungen der Arbeitswelt reagiert. Agile Methoden haben sich hier bereits durchaus bewährt. Es gibt inzwischen einige Studien die belgen, dass Agile Projektmethoden wie SCRUM zu besseren Endergebnissen führen und häufig auch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden durch eine flexiblere Arbeitsgestaltung erhöhen.

Artikel: Mythos „Halbwertszeit des Wissen

Grund 2 – Wissen braucht lernen

Mein Verständnis von Wissen ist, dass es immer an Personen gebunden ist. Lese ich zum Beispiel ein Buch, werde ich diesen Inhalt umso besser und schneller verarbeiten, je mehr es an mein bereits bestehndes Wissen und meinen Erfahrungen anknüpft. Reinmann und Eppler beschreiben noch weitere Formen des Wissens wie z.B. öffentliches Wissen. Aus meiner Sicht spielt jedoch die Frage nach den Formen des Wissens eine untergeordnete Rolle. Der Grund dafür ist, dass der Fokus auf das Lernen auch immer die Aneignung von Fähigkeiten und Fertigkeiten umfasst. Diese spielen eine wesentliche Rolle um letztlich Wissen zur Anwendung zu bringen und es somit für Unternehmen nutzbar zu machen. Ein gutes individuelles Wissensmanagement unterstützt somit auch die Selbstorganisation und umgekehrt unterstützt eine hohe Lernkompetenz das persönliche Wissensmanagement.

Effektive Lerner erschließen schneller neue Wissensgebiete

Dieses Beispiel zeigt jedoch schon sehr klar, dass Wissen erst durch einen Prozess des Lernens entsteht und dabei spielt es keine Rolle ob es sich um implizites oder explizites Wissen handelt. Es werden sich beide Formen im Lernprozess bilden, denn unsere Lernfähigkeit hat ungemein viel mit unserem Know-How um uns etwas Neues anzueignen zu tun. Wo wir das häufig sehr stark merken ob wir effektive Lerner sind oder nicht, ist bei der Erschließung neuer Wissensgebiete oder Skills. Der Aufwand ist zu Beginn immens, wenn wir nur wenig oder keine Anknüpfungpunkte haben.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass es mir so ergangen ist bei den ersten Versuchen mir Python-Programmierung beizubringen – dieser Prozess ist anbei bemerkt auch noch nicht abgeschlossen. Ich hatte keine Ahnung von Programmieren und musste mich somit zuerst einmal mit der fachspezifischen Sprache vertraut machen. Zudem benötigte ich einiges an Wissen über Begrifflichkeiten um überhaupt zu verstehen was ich tue und was das auslöst. Der Aufwand zu Beginn hat sich jedenfalls gelohnt, denn wenn ich mich jetzt spaßeshalber in andere Programmiersprachen hineinschnuppere, ist es bereits wesentlich leichter, durch das bisschen Wissen was ich mir vorher bereits angeeignet habe.

Weshalb ich auf diesen Punkt hier so lange und ausführlich eingehe ist, weil ich diesen Zusammenhang von Lernkompetenz und (individuellem) Wissensmanagement hervorheben möchte. Ein effektives und individuelles Lernmanagement sorgt dafür, dass neues Wissen generiert werden kann und das entstehende Know-How letztlich dem Unternehmen durch verbesserte Prozesse, neue Produkte etc. zu Gute kommt.

Grund 3 – Ein starkes Netzwerk ist wichtiger als die Dokumentation

Ein Bestandteil des Wissensmanagements ist es unter anderem Wissen zu konservieren. Tools dafür gibt es ausreichend, die Bandbreite reicht dabei von einer einfach systematisierten Windows-Explorer Ablage, bis hin zum komplexen EDMS. Insofern möchte ich der Dokumentation ihre Relevanz keineswegs absprechen. Allerdings schleichen sich in vielen Unternehmen Dokumentationswut ein, die ineffizient und ineffektiv ist. Häufig werden Daten um der Daten willen gesammelt ohne vorab zu hinterfragen ob diese Relevanz besitzen.

Dieser Fakt ist zeitraubend, kostenintensiv und am Ende des Tages kommt schlicht nichts produktives für die Organisation heraus. Aus diesem Grund geht mein Appell dahin, sich zum einen genau Gedanken darüber zu machen was wirklich sinnvoll ist zu dokumentieren. Zum anderen lebt ein Unternehmen davon Mehrwert für die eigenen Kunden zu schaffen, indem man entsprechende Produkte anbietet. Wie auch im nächsten Punkt beschrieben braucht es dafür immer wieder Innovation. Jedoch kann diese nur durch engen kontinuierlichen Austausch zwischen Mitarbeitenden entstehen kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand über Nacht einen weltveränderten Geisteblitz hat , beläuft sich wohl nur in Hollywoodfilmen auf 100 Prozent.

Communities of Practice bieten ein starkes Netzwerk

Dieser Austausch lässt sich vor allem über starke Netzwerke forcieren. Eine Möglichkeit ist hier der Einsatz von Communities of Practice. Sie verbinden die Eigenschaften von informellen Netzwerken mit denen von Projektteams, wie man in der Grafik sieht.

Darstellung nach Harold Jarche

Sie bieten ausreichend Platz für neue Ideen und deren Entwicklung und sorgen gleichzeitig durch ihre Mitgliederanzahl für einen hohen Informationsfluss. Zudem sind sie aus meiner Sicht ein Kernelement für agiles Lern- und Wissensmanagement. Schafft es eine CoP eine gemeinsame Praxis zu entwickeln, so wird es immer Knowledge-Leader geben, die eine Entwicklung vorantreiben und es wird Greenhorns geben, die von der Teilhabe profitieren indem sie sich neue Fähigkeiten aneignen. Wenn ein Unternehmen CoPs zulässt wird es von der Antriebskraft profitieren und hat gleichzeitig Strukturen für agiles Lernen geschaffen.

Grund 4 – Lern- und Wissensmanagement fördern die Innovationskraft

Ein weiterer Grund, stellt der Fakt dar, dass Innovationen Wissen benötigen, wie auch Mag. Koller in einem Interview erläutert. Häufig wird dieses Wissen z.B. in CoPs generiert, dass wiederum durch gemeinsame Lernprozesse entstanden ist. Entgegen der häufig vertretenen Meinung, dass Innovationen schnell passieren müssen, ist es meist eher ein langfristiger wissens- und ressourcenintenisver Prozesss. Innovationen die einen Marktvorsprung sowie einen großen Burggraben versprechen, entstehen meist nicht über Nacht. Sie benötigen den Austausch zwischen Menschen, die eine Idee kontinuierlich weiterentwickeln. Dieses weiterentwickeln schließt einen Trial and Error-Prozess mit ein. Im Idealfall schließt an jeden Error ein Lernprozess ein aus dem Wissen wie es besser geht entsteht.

Grund 5 – Ressourcen und Strukturen sind ein Schlüsselelement

Sowohl Lern- als auch Wissensmanagement brauchen flexible Strukturen. Aus meiner Sicht ist Wissensmanagement vor allem ein strategisches Instrument, dessen Wirkung – abseits schneller IT-Lösungen – erst langfristig sichtbar wird.

Damit Wissen bzw. Fähig- und Fertigkeiten entstehen können, braucht es förderliche Rahmenbedingungen. Immer mehr Studien zeigen, dass wir als soziale Wesen auch am besten in Gruppen lernen. Da auch die Komplexität unserer Welt steigt müssen wir uns in die Lage versetzen effektiv und effizient unsere Lernprozesse zu steuern und ein entsprechendes Umfeld dafür zu finden. Formate die auf einer kontinuierlichen Basis die beiden Faktoren Social Learning und Prozessorientierung verbinden sind z.B. Communities of Practice sowie das Programm Working Out Loud. Um ein agiles Lern-Wissensmanagement im Unternehmen umzusetzen, braucht es daher Ressourcen und Stukturen in denen Lernen, ausprobieren, verbessern und innovieren möglich wird. Zeitressourcen spielen in diesem Kontext eine große Rolle, genauso wie die Ausgestaltung von Lernräumen. In diesem Kontext möchte ich nicht darauf verzichten auf Sirkka Freigang zu verweisen, die eine absolute Vorreiterin und Expertin im Bereich Smart Learning Environments ist.

Ein wichtiger Punkt darf zuletzt nicht vergessen werden – die Unternehmenskultur. Die Unternehmenskultur hat zwar keinen physisch strukturellen Charakter, dennoch nimmt sie starken Einfluss darauf. Ich habe nicht erst einmal vorhandene Firmenbibliotheken und Leseecken gesehen, die mit viel Liebe gestaltet wurden und dennoch ist kaum jemand anzutreffen. Es ist kein Geheimnis, dass Führungskräfte hier einen sehr hohen Impact erzeugen können, wenn sie die Nutzung von z.B. Leseecken vorleben und somit ihren Mitarbeitenden signalisieren, dass es sich hier um erwünschtes Verhalten handelt.

Conclusio

Haftet Wissensmanagement mitunter die etwas verstaubte Vorstellung alles in Köpfen der Mitarbeitenden befindliche Wissen konservieren zu wollen, so weicht die Kombination Lern- und Wissensmanagement das Ganze etwas auf. Die Vorstellung von arbeitsplatznahen dynamischen lernen, bei dem Wissen rasch Eingang in die Arbeitspraxis findet geht meiner Ansicht von der Konservierungstaktik weg. Es geht nicht mehr länger darum Wissen zu speichern um es zu einem späteren Zeitpunkt verwertbar zu machen. Vielmehr geht es darum sich rasch anzupassen, Ergebnisse zu erzielen und diese unternehmerisch verwertbar zu machen.

Buchtipps aka Referenzen

  • Graf, N., Gramß, D., Edelkraut, F., 2019. Agiles Lernen: Neue Rollen, Kompetenzen und Methoden im Unternehmenskontext.
  • Reinmann G., Eppler M., 2008. Wissenswege Methoden für das persönliche Wissensmanagent.
  • Stepper, J. 2020. Working Out Loud.
  • Wenger, E., McDermott, R., Snyder, W. 2002. Cultivating Communities of Practice

Martina Krobath

Vision - Die Zusammenarbeit verbessern. Mission - Knowledge Culture mitgestalten. Weg - Working Out Loud-Prinzipien als Haltung etablieren

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Ein Gedanke zu “5 Gründe Lernen und Wissen gemeinsam zu managen

  1. Hallo,

    ich hoffe du konntest ein paar Anregungen aus dem Artikel mitnehmen. Schreibe mir doch wie du das Thema siehst, denn ich denke es gibt noch einige mehr Gründe.

    Lieben Gruß,
    Martina

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