12. Juli 2020

Lernen statt Wissen managen

Seit einem Jahr studiere ich nun Wissensmanagement und versuche zu verstehen was Wissen denn nun ist. Es gibt in diesem Kontext ein paar Begriffe die verschiedene Arten von Wissen beschreiben. Ich bin auch überzeugt, dass Wissen an Personen gebunden ist und daher nicht von einer Person zur anderen übertragbar ist.

Eine Frage die für mich jedoch bislang offen bleibt ist, ob man Wissen systematisch managen? Ich denke bis zu einem gewissen Grad geht das und zwar wenn es sich um faktisches, ausdrückbares Wissen handelt. In diesem Fall lässt sich Wissen in Prozessen, Texten oder anderen Medien darstellen. Auf individueller Ebne arbeiten z.B. Gedächtniskünstler häufig mit Gedächtnispalästen um Inhalte geordnet in ihrer Erinnerung abzulegen. Das funktioniert vor allem gut mit Fakten und Symbolen. Dieser Fakt spiegelt im Kleinen was eine Bibliothek letztlich im großen Stil ist, eine Ansammlung von darstellbaren Informationen.

Fähigkeiten und Fertigkeiten

Schwierig wird es jedoch wenn wir von Fähigkeiten und Fertigkeiten sprechen. Ist das überhaupt Wissen? Ich denke schon, denn für deren Ausprägung müssen komplexe Lernprozesse stattgefunden haben. Erst wenn wir diese durchlaufen haben ist die Kombination von Fakten, Fähigkeiten und Fertigkeiten möglich um auch schwierige Aufgabenstellungen zu bewältigen.

Ein Beispiel ist hier das Erlernen der 3-Ball Jonglage. Ich brauche das Wissen was ein Ball ist, wie viele ich nehmen kann/will und wie der motorische Ablauf ist. In der Regel muss man über derartig Abläufe nicht mehr nachdenken wenn man einen Grad der motorischen Fertigkeiten ausgeprägt hat. Allerdings kennen wir alle das Gefühl wie viel Brainpower es braucht Fahrradfahren, Autofahren, Skifahren oder auch jonglieren zu lernen. Die koordinative  Fertigkeiten für diese Tätigkeiten können zu Beginn ganz schon das Gefühl von Überforderung befördern.

Die Rolle von Lernprozessen

Diese Überlegungen fuhren mich zu der Annahme, dass Wissensmanagement sehr eng mit komplexen Lernprozessen verknüpft ist.
Reine Informationen können gut verstaut werden, man schaue sich nur Bibliotheken an. Jedoch Wissen das an Fähigkeiten und Fertigkeiten gebunden ist kann nicht direkt transferiert werden. Um einen Handstand zu lernen können Bücher und Videos hilfreich sein um Aspekte davon besser zu verstehen. Jedoch der Lernprozess für den Empfänger bleibt jedenfalls aufrecht und bedeutet viele Stunden Übung.

Nutzt das Organisationen?

Das gute ist, Menschen sind auf Entwicklung ausgelegt davon bin ich überzeugt. Für mich bedeutet das auch wir haben eine starke intrinsische Motivation neues zu lernen. Die Frage ist ob unser Interesse die Interessen des Unternehmens trifft. Lernen im Arbeitskontext soll immerhin nicht zum Selbstzweck verkommen. Lernen im Unternehmen sollte der Lösung von Problemen im Arbeitskontext dienen.

Hier sind wir unter anderem bei dem Punkt bedarfsorientiertes Lernen angekommen, dass den Mitarbeitenden und seine individuellen Herausforderungen in den Vordergrund stellt.
Was sich inzwischen häufig schon bewährt hat sind die Aktivierung von Communities oft Practice die durchaus in der Lage sind den Austausch zwischen Menschen zu befördern und Artefakte anzufertigen.
Das Konzept ‚Learning Out Loud‘ setzt ebenfalls daran an einerseits Menschen in einem 7-wöchigen Zyklus ihren Lernbedarf decken zu lassen und gleichzeitig Lernunterlagen / Artefakte für andere erarbeiten zu lassen.

Lernprozesse fördern um lernende Organisationen zu schaffen

Dennoch bleibt die Frage wie diese Lernprozesse und daraus entstehendes Erfahrungswissen auf die organisationale Ebene gehoben werden kann. Letztlich nur durch die Einbettung in Prozesse, Herangehensweisen etc. Was mich zu dem Schluss kommen lässt? Stell dir vor 10 Personen lernen die 3 Ball Jonglage. Alle werden es auf ihre Art und Weise tun und einen komplexen Prozess durchlaufen bis sie es beherrschen. 10 Personen besitzen nun Erfahrungen wie Jonglieren funktioniert. Diese Kenntnisse können sie jetzt transportieren und es wird sich weisen welche Tipps wiederum für andere funktionieren und welche nicht. Wenn wir nun ein Unternehmen sind dass einen Kurs für das Jonglieren entwickeln will, werden wir das zum Ausdruck gebrachte Know-How das verdichten und in den Kurs einbauen. Bei diesem Prozess werden anzunehmend vor allem die Erfahrungen einfließen, die auch anderen als möglichst hilfreich erscheinen. Die Quintessenz ist, dass jedes aufnehmen und verdichten von Informationen um daraus Wissen zu gewinnen, eine Form des Lernens ist. Das ist jetzt ein wenig vereinfacht dargestellt, jedoch denke ich dass das Beispiel eine Annäherung an die ursprüngliche Frage zulässt.

Wissen als personengebundene Ressource lässt sich wohl kaum managen. Allerdings die Prozesse wie ich mich, wann, womit und in welcher Weise beschäfige, lässt sich sehr wohl steuern. Aus dieser Perspektive betrachtet gibt es somit auch für Unternehmen genügend Möglichkeiten Einfluss auf diese ?????

Social Learning Umgebungen

Wikipedia liefert hier auf Basis von Oscar Berg eine passende Darstellung zum Thema Soceal Learning. Social Learning und Social Collaboration funktionieren sehr gut um Lernprozesse zu fördern und verdecktes Wissen sichtbar zu machen. Eine wichtige Voraussetzung dafür sind Vertrauen, Transparenz und Gerechtigkeit – Stichwort Unternehmenskultur. Auf den Aufbau einer Vertrauenskultur in Unternehmen möchte ich hier nicht näher eingehen, das sprengt den Rahmen.

Social Learning & Collaboration
Mummelgrummel / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)

Fest steht jedoch, dass sich Communities of Practice, Working Out Loud Circles und Peer-Formate mit hoher sozialer Interaktion als Basis für stetige Weiterentwicklung bewährt haben. Das Potential das darin steckt, ist nicht zu unterschätzen. Die Frage ist somit wie sich Lernprozesse in die Organisation so einbetten lassen, dass das Gelernte anschließend auch sichtbar und verwertbar wird. Hier braucht es eine Brücke die diese Lücke zwischen individuellem Lernen, dem daraus entstehenden Wissen und die Integration in das Integrationswissen schließt.

An dieser Stelle möchte ich nun einen Punkt setzen und dich Fragen was du von meinen Überlegungen hältst. Gibt es etwas an dem du anknüpfen kannst? Ist etwas dabei, dass du gänzlich anders siehst? Ich bin gespannt und freue mich über eine jedes konstruktive Feedback.

Weiterführende Literatur:

MedienPädagogik – Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung – Heft 6: Theoriebildung in Mediendidaktik und Wissensmanagement

Martina Krobath

Vision - Die Zusammenarbeit verbessern. Mission - Knowledge Culture mitgestalten. Weg - Working Out Loud-Prinzipien als Haltung etablieren

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