30. Oktober 2020
Sportsteam Community of Practice

Agil lernen mit Communities of Practice

Communities of Practice – abgekürzt auch CoP genannt – kann man am besten mit einem Sportteam vergleichen. Es ist eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam eine Sportart betreiben und ein gemeinsames Ziel verfolgen wofür sie gemeinsam trainieren müssen. Aufgrund der steigenden Komplexität in unserer Welt nimmt auch die Lernkompetenz einen wichtigeren Stellenwert ein. Eine Community of Practice unterstützt Mitarbeitende genau darin sich der wachsenden Herausforderung am Ball zu bleiben zu stellen. Sie stellt eine Variante agiler Lernformate dar. Warum das so ist, darauf möchte ich in diesem Artikel eingehen.

Aus diesem Grund eignen sich Communities of Practice auch besonders als agile Lernform.

Was ist eine Community of Practice?

Diese Frage ist einerseits sehr simpel und gleichzeitig recht komplex zu beantworten. Eine Community of Practice besteht meist aus Menschen die ein gemeinsames Interesse verbindet, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen oder dieselbe Profession haben.

Harold Jarche ordnet die CoP zwischen einem informellen Netzwerk und einem Projektteam ein. In dem einen Fall gestaltet sich die Verbindung sehr lose und wird zumeist von einem impulsartigen Austausch getrieben. Ein Projektteam hingegen arbeitet an einer konkreten Problemstellung, ist somit Lösungsgetrieben und meist auch zeitlich unter Druck um Ergebnisse zu liefern.

Die CoP insbesondere in einem Unternehmensumfeld verbindet diese beiden Bereiche. Vor allem in größeren Unternehmen stehen Personen oft vor ähnlichen Herausforderungen, selbst wenn sie aus verschiedenen Bereichen kommen. Die Community kann deshalb oft praktikable Lösungen für ein Individuum finden und diese auf andere Bereiche übertragen. Der Vorteil ist, dass die Community aus freiwilligen Mitgliedern besteht, ohne einen konkreten Arbeitsauftrag. Aus diesem Grund können neue Ideen entstehen und getestet werden, ohne das Risiko eines wirtschaftlichen Scheiterns auf sich nehmen zu müssen.

Agil lernen Community of Practice
The Network Learning Model nach Harold Jarche

Was macht eine Commity of Practice zur agilen Lernform?

Der Name Community of Practice rührt aus der gemeinsamen zielorientierten Akivität, weshalb sich CoPs auch wesentlich von anderen Communities unterscheiden. Darin liegt letztlich auch ihr wert, denn eine CoP ist meist davon getrieben einen Mehrwert zu schaffen, indem Problemstellungen aktiv angegangen werden um dafür eine Lösung zu entwickeln. Dieser Prozess des Lernens am Modell entspricht in meinen Augen zutiefst dem Prinzip des agilen Lernens. Wie in allen Gruppen führt das zu Austausch, von dem die Mitglieder unterschiedlich profitieren. Unterschiedlich deshalb, weil es immer Mitglieder gibt, die eine Lösung vorantreiben werden und damit die Inputgeber sind und es auf der anderen Seite Personen gibt, die durch die Teilnahme etwas Neues lernen. Wer sich die Artikelreihe zu agilen Lernformaten durchliest, wird feststellen, dass die genannten Punkte immer wieder vorkommen, weil das den Kern agiler Lernformen darstellt.

Harold Jarche Darstellung

Diese Darstellung habe ich aus dem prozessorientiereten Wissensmanagement übernommen. Die Darstellung trifft meiner Meinung nach sehr gut, worum es meist beim betrieblichen Wissensmanagement geht. Letztlich stellt sich immer die Frage, wie das individuelle Wissen über Gruppen, hin zur Organisation eingebunden werden kann. Eine Community of Practice ist unter anderem der ideale Ort um diesen Prozess konsequent zu durchlaufen und dadurch Mehrwert im Unternehmen zu stiften. Wie auch in anderen Artikeln bereits angemekrt, liegt für mich Wissens- und Lernmanagement nahe beieinander, da ohne Lernprozessse auch kein Wissen erzeugt werden kann.

CoPs als Ort für Wissensmanagement

Wie lässt sich eine Community of Practice aufbauen?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, da es auch hier verschiedene Aspekte zu berücksichtigen gibt. Das eine ist der Aufbau einer CoP, das andere die Erhaltung. Für beide Punkte gibt es Tipps und Erkenntnisse was eine CoP fördert bzw. scheitern lässt. Etienne Wenger et. al. beschreibt in seinem Buch ‚Cultivating Communities of Practice‘ dazu sieben Säulen:

  1. Design for Evolution
  2. Open a dialogue between inside and outside perspectives
  3. Invite different levels of participation
  4. Develop both, public and private community spaces
  5. Focus on value
  6. Combine familiarity and excitement
  7. Create a rythm for the community

Neben den sieben Säulen konnten noch ein paar andere Faktoren identifiziert werden um eine Community of Practice dann auch am Leben zu erhalten.

Buchtipp (kein Affiliatelink):

Cultivating Communities of Practice – Etienne Wenger, Richard McDermott, William M. Snyder

Martina Krobath

Vision - Die Zusammenarbeit verbessern. Mission - Knowledge Culture mitgestalten. Weg - Working Out Loud-Prinzipien als Haltung etablieren

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