12. Juli 2020
Working Out Loud

Working Out Loud für Wissensmanagement

Um Working Out Loud gibt es einen Hype der selbst Unternehmen wie die Deutsche Bahn in seinen Bann zieht. Das Konzept beinhaltet Vernetzung, Weiterentwicklung und Sichtbarkeit – wichtige Parameter des Wissensmanagements.

Große Unternehmen wie die Deutsche Bahn sehen sich heute durch die Digitalisierung und immer wissensintensivere Produkte vor große Herausforderungen gestellt. Mit weltweit über 300.000 Mitarbeitern ist es nicht immer möglich an Ort und Stelle zu sein um den Bedürfnissen im Unternehmen zu lauschen und Veränderungs-Prozesse zu steuern. Working Out Loud bietet sich hier als ein Konzept an, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Die Vorteile für Unternehmen sind die weltweite Vernetzung von Mitarbeitern aus verschiedenen Abteilungen und um vorhandenes Wissen sichtbar zu machen. Denkt man Working Out Loud über die Unternehmensgrenzen hinaus, kann Vernetzung auch mit Partnerunternehmen stattfinden.

Fünf Prinzipien und ein zwölf Wochen Programm

Das Konzept enthält fünf Prinzipien die gerade der Diskussion um die Wissensgesellschaft Rechnung tragen.

  1. Beziehungen (Relationships): Working Out Loud geht über das herkömmliche Networking hinaus und möchte relevante und nachhaltige Beziehungen schaffen.
  2. Großzügigkeit (Generosity): Wissen soll großzügig und ohne Erwartung einer Gegenleistung geteilt werden.
  3. Sichtbare Arbeit (Visible Work): Mache deine Arbeit sichtbar indem du sie teilst. Nutze dafür relevante Plattformen und bereichere dadurch dein Netzwerk.
  4. Zielgerichtetes Verhalten (Purposeful Discovery): Deine Aktivitäten sollen dich bei deiner Zielerreichung unterstützen.
  5. Wachstumsorientiertes Denken (Growth Mindset): Neugier und Offenheit spielen eine wichtige Rolle um sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Daraus abgeleitet hat John Stepper ein zwölf Wochen Programm entwickelt, dessen Methoden sich in Bezug zu diesen fünf Prinzipien setzen. Für das Programm werden sogenannte WOL-Circles gegründet, die aus zwei bis fünf Personen bestehen. Die Gruppe trifft sich wöchentlich on- oder offline für eine Stunde, wobei jeder Teilnehmer sein eigenes berufliches oder privates Ziel verfolgt. Für jede Einheit gibt es einen Circle Guide, der genaue Anweisungen zu den Übungen und deren zeitlichen Umfang enthält.

Der Nutzen für Mitarbeiter

Die Vorteile für Unternehmen sind eindeutig. Jedoch was bringt es dir als Mitarbeiter an einem WOL-Circle teilzunehmen? Working Out Loud kann auch als Peer-Coaching verstanden werden. Als Mitarbeiter kannst du in einer vertrauten Gruppe Neues ausprobieren und erhältst direktes Feedback zu deiner Arbeit. Vor allem für Mitarbeiter deren Wissen sonst kaum sichtbar ist, kann das eine Chance sein um aus dem stillen Kämmerlein in das Rampenlicht zu treten. Wissensmonopole werden durch die Methode verringert, denn durch den laufenden Austausch zirkuliert Wissen schneller. Der Angst von Mitarbeitern und auch Führungskräfte vor Machtverlust, muss von vornherein durch das Unternehmen offen begegnet werden. Andernfalls läuft die Firma Gefahr in ihrem Vorhaben durch die eigenen Angestellten boykottiert zu werden.

Working Out Loud ist Wissensmanagement

 Vergleicht man das Konzept von Harold Jarche dessen Konzept „Seek-Sense-Share“ (Suchen –  Wissen verdichten – Teilen) im Bereich persönlichen Wissensmanagement großen Anklang findet mit dem Konzept von Working Out Loud, so finden sich weitreichende Überschneidungen. Ob das Konzept von John Stepper als einziges Tool für Wissensmanagement im beruflichen Umfeld genügt, darf jedoch in Frage gestellt werden. Gerade für den Wissenstransfer von Schlüsselpositionen die nachbesetzt werden, greifen andere Konzepte wie Wissensstaffete wohl besser.

Anpassungen für das betriebliche Wissensmanagement

Als Werkzeug für das persönliche Wissensmanagement eignet sich Steppers Konzept allemal, jedoch sollten für die betriebliche Nutzung Anpassungen vorgenommen werden. Wird rein technischen Lösungen oft vorgeworfen ihr Ziel für Wissensmanagement zu verfehlen, so kann eine geschickte Kombination mit Working Out Loud diese Barriere durchbrechen. Die Sichtbarkeit von Wissen ist zentral sowohl für das WOL-Programm als auch für das betriebliche Wissensmanagement. Sichtbarkeit muss Jedoch geregelt sein um einen Wildwuchs an Plattformen auf denen veröffentlicht wird entgegen zu wirken. Das scheint an dieser Stelle widersprüchlich zum Prinzip Wissen großzügig zu teilen sein. Bei genauer Betrachtung stellt man allerdings fest, dass es meist zielführender ist Wissen dort zu platzieren wo es benötigt wird, als es völlig unkontrolliert in die digitale Welt hinaus zu posaunen. Firmeninterne Blogs oder Wikis können hier eine Möglichkeit sein um diesem Problem zu begegnen. Eine weiterführende Frage ist, welche Inhalte auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mitunter arbeiten Mitarbeiter an beruflichen Zielen deren Inhalt sensible Firmendaten beinhaltet. Dieses Szenario ist für jede Firma zu vermeiden, denn der daraus entstehende Schaden kann kaum abgeschätzt werden Alles in allem bietet WOL einen guten Ansatz um Wissensmanagement im Unternehmen zu verankern und die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen um in der neuen Arbeitswelt weiterhin zu bestehen. Firmen die sich für eine Umsetzung im eigenen Unternehmen interessieren, finden heute eine Reihe von Beratern die bei der Einführung unterstützen.

Martina Krobath

Vision - Die Zusammenarbeit verbessern. Mission - Knowledge Culture mitgestalten. Weg - Working Out Loud-Prinzipien als Haltung etablieren

Alle Beiträge ansehen von Martina Krobath →

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code